Beim Bezahlsender Premiere steht Anfang September ein Wechsel bevor. Der charismatische Chef Georg Kofler geht, sein zweiter Mann wird dann der erste sein. Einerseits steht Michael Brnicke fr Kontinuitt. Der gebrtige Mlheimer kennt den Laden auf dem Eff-Eff. Anderseits steht der 47-Jhrige fr neue Zeiten. Er gilt, im Gegensatz zu Kofler, als ruhiger Typ.
Das Gesicht von RTL ist der Moderator Gnther Jauch. Das Gesicht von Premiere war der scheidende Chef Georg Kofler. Ist das eine Brde fr Sie?
MB: Nein,berhaupt nicht. Im Gegenteil. Es ist groartig, was Herr Kofler fr Premiere geleistet hat. Wir sind gut aufgestellt. Ich werde sicherlich die Schwerpunkte etwas anders legen. Ich setze sehr aufs Team, auf die Mannschaft. Und wenn Sie unsere Abonnenten befragen, dann sind die Gesichter von Premiere Marcel Reif oder Franz Beckenbauer.
Der Rckzug von Herrn Kofler kamberraschend. Wie haben die Abonnenten reagiert?
MB: Die Abonnenten wre es entscheidend, wenn wir pltzlich keine Champions League mehr htten, wenn bei der Formel 1 etwas anders wird oder wenn ein Moderator wechselt.
Der Geschftsverlauf hngt ein bisschen vom Verlauf der Bundesliga ab. Jetzt wissen wir nach dem dritten Spieltag: Der Favorit marschiert. Droht Ihnen und uns eine langweilige Bayern-Liga?
MB: (lacht) Nein, so scharf kann man das nicht sagen. Wir haben es ja schon oft erlebt, dass ein Team, das erst vorne weg marschiert, spter einen Einbruch erlebt. Unsere Abonnenten-Entwicklung istbrigens vom Verlauf der Saison auch relativ losgelst.
Die Bundesliga ist zurck bei Premiere. Damit haben Sie geworben. Wie hat sich das bei Abo-Zahlen niedergeschlagen?
MB: Wir haben uns als Ziel vorgelegt, bis Ende August wollen wir 200 000 Abonnenten haben. Ich bin bisher mit der Akzeptanz zufrieden, bei neuen Abonnenten, aber auch beim Bestand. Wir kmmern uns besonders um die Abonnenten, die wir verloren haben, als die Bundesliga bei uns nicht mehr lief. Wir kmmern uns auch um die Abonnenten, die nur ein Premiere-Paket gekauft haben, und sagen denen: Schaut her, wir bieten wieder dasselbe Programm wie frher. Wir versuchen, den Pro-Kopf-Umsatz zu steigern. Genaue Zahlen gibt es Anfang nchster Woche.
Was wollen Sie bis zum Ende der Saison erreichen?
MB: Wir wollen 4,4 Millionen Abonnenten bis Jahresende haben, davon 3,7 Millionen direkte und 700 000 indirekte,ber Unity Media. Bis Jahresende 2008 4,7 Millionen. Diese Ziele gelten unverndert. Und: Zwei Millionen Kunden hatten frherber uns den Zugang zur Bundesliga, und zwei Millionen wollen wir bis zum Saisonende wieder haben.
Premiere hin,„Sportschau" her - Sie wollen die Bundesliga machen. Mssen wir uns darauf einstellen, dass Handball der neue Volkssport wird?
MB: (lacht) Fuball ist,ber Jahrzehnte hinweg betrachtet, die massenattraktivste Sportart. Das wird auch so bleiben. Wenn mal Lnder betrachtet, wo Fuball schon exklusiver ist, nmlich England, Italien und Spanien, dann muss man sagen: Der Fuball hat dort seine Massenattraktivitt nicht verloren. Im Gegenteil. Von einer Akzeptanz des Fuballs wie in England sind wir hier noch ein ganzes Stck entfernt. Ich bin fest davonberzeugt, dass auch bei mehr Exklusivitt Fuball bei uns Volkssport Nr. 1 bleiben wird.
Ich darf zusammenfassen: Die Bundesliga gewinnt - weil die Stadien voll sind. Premiere gewinnt - weil die Abo-Zahlen steigen. Und die„Sportschau" guckt in die Rhre.
MB: Es stellt sich die Frage, ob das, was in der„Sportschau" gezeigt wird, noch als Grundversorgung anzusehen ist. Darber kann man streiten. Ich wrde definitiv sagen, das ist eineberversorgung. In keinem anderen Land der Welt gibt es 45 Minuten nach Abpfiff eine Zusammenfassung der Spiele. Und wenn Sie sich die Preise ansehen, die von denffentlich-Rechtlichen bezahlt werden, so sollen sie laut unserer Kenntnis doppelt so hoch sein wie das, was die Privaten angeboten haben.Ich halte das fr eine echte Verzerrung des Wettbewerbs - und das noch mit Gebhrengeld. Die„Sportschau" kann statt Fuball Sportarten, die sonst eben nicht so im Mittelpunkt stehen wie Tennis oder Leichtathletik, in den Vordergrund stellen. Stattdessen ist aus der„Sportschau" eine rein kommerzielle Fuball-Sendung geworden.
Die DFL will die Bundesliga teurer machen. Sie haben sich darauf eingestellt, dass Sie fr das Produkt mehr bezahlen mssen. Wo, glauben Sie, ist die Schmerzgrenze des Publikums?
MB: Im Augenblick haben wir bei Premiere mit 20 Euro fr das Fuball-Paket ein tolles Preis-Leistungs-Verhltnis. Fr 20 Euro kommen Sie gerade mal mit dem Auto zum Stadion, da haben Sie aber noch nicht die Eintrittskarte. Das Bundesliga-Paket von Premiere soll schon ein massenattraktives Produkt bleiben. Wir streben eine vernnftige Preisgestaltung an, auch in Kombination mit anderen Produkten wie Champions League und Filmen. Wir wollen ja ein Programm fr Familien. Sie mssen bedenken: Ein Kino-Besuch kostet eine Familie 50 Euro, und dafr knnen Sie einen ganzen Monat lang ein umfassendes Premiere-Paket gucken.